Liliths Weltenchronik

Warum Liliths Weltenchronik?
Allgemein bedeutet Dichten und Forschen für Frauen immer auch eine „Revision […] männlicher Selbstbilder, Weltenentwürfe, Mythen und Kultfiguren“.1

Wie unter dem Punkt Lilith detailliert aufgeführt, durchläuft Liliths Wirkungsgeschichte mehrere Phasen. Anfangs wird sie vor allem als starke Persönlichkeit verehrt, u.a. als die Bala’at, eine Heilige Herrin, wie sie von den Phönizierinnen bezeichnet wurde. Am Ende der Überlieferungsskala, als Lilith nur mehr als literarische Person fernab jeder religiösen Aussage auftritt, bleiben keine schönen Attribute mehr übrig für jene alte und wilde matriarchale Gottheit. Sie mutiert zum leviathanischen Begierde-Teufel, zum Urbild der Negativität oder zum bemitleidenswerten Geschöpf am Rande der Gesellschaft.2

Um aus Lilith wieder ein Wesen mit Gefühlen und Verstand zu machen, brauchen wir uns nur des gleichen Mechanismus‘ zu bedienen wie jene, die sie einst dämonisierten: der Fantasie und der Gefühle. Die Fantasie hat sie einst angstbesetzt und verdammt.
Mit dem Werkzeug der Fantasie aber kann man auch veredeln, Persönlichkeiten erschaffen, deren Triebfedern des Handelns die Liebe ist. Wer sagt uns, dass es nicht genauso war? Wer kennt die Welten vor der unsrigen? Liebe als Triebfeder allen Tuns verwandelt Angst in Stärke und Hass in Freude. Lasst uns eine Stadt der Frauen auf dem Feld der Literatur bauen, sagte sinngemäß Christine de Pizan im Jahr 1405. Wir bauen eine solche Stadt für Frauen und Männer auf dem Feld der Fantasie und begießen sie mit dem Dünger der Liebe.

Um dieses Ziel zu erreichen beantworten wir in Liliths Weltenchronik Fragen nach dem frühen Wirken von Lilith und anderen Persönlichkeiten, die uns bis heute faszinieren.

Denn wer war Lilith zu jener Zeit, da sie angebetet und verehrt wurde? Was hat sie gemacht, bevor sie in Sumer wohnte? Wie verschlug es sie überhaupt zu Inanna und warum zog sie in den Huluppu-Weltenbaum? War Lila, der Windgott, ihr Gefährte vor Adam? Wie haben die beiden sich kennengelernt? Hatte sie Kinder, die überlebten und vielleicht bis heute noch wirken?

Willkommen in Liliths Weltenchronik!

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1Roebling, Irmgard: Lilith – oder: Der Umsturz der Bilder; feministische Literaturwissenschaft: kontrakursiv. – In: Feministische Erneuerung von Wissenschaft und Kunst. – Arbeitsgemeinschaft Interdisziplinäre Frauenforschung und – studien [Hrg.]. Pfaffenweiler, Centaurus Verlagsgesellschaft GmbH 1990, S. 185.
2Vgl. im Folgenden dazu ebd: S. 186f.