Wider die Hörigkeit der Frau

Autorin: 

Luise Pusch

Harriet Hardy heiratete 1826, mit achtzehn Jahren, den elf Jahre älteren wohlhabenden Kaufmann John Taylor. Die beiden hatten drei Kinder: Herbert, Algernon und Helen. Die ersten Ehejahre waren glücklich, aber um 1830 trat eine Entfremdung ein. Etwa um dieselbe Zeit lernte Harriet Taylor den jungen Philosophen John Stuart Mill kennen und lieben. Die beiden pflegten bis zum Tod John Taylors 1849 eine intensive platonische Beziehung und heirateten 1851. Harriet Taylor hatte sich 1834 von ihrem Mann getrennt, er finanzierte weiter ihren Lebensunterhalt; die Tochter Helen wuchs bei ihr auf, die Söhne beim Vater. Eine Ehescheidung war damals nahezu unmöglich.

Von den vielen Gründen, die in der Forschung für Johns „Großmütigkeit“, Harriets „Abkühlung“ und den platonischen Charakter der Liebe zwischen Harriet und John Stuart Mill angegeben werden, scheint mir die These der Harriet-Taylor-Mill-Forscherin Jacobs am plausibelsten: John hatte Harriet mit Syphilis angesteckt. Seine Ärzte hatten ihm gesagt, er könne seine Frau damit nicht infizieren. Er tat nun alles, um seine „Schuld“ abzutragen und Harriets Leben zu erleichtern. Dazu gehörte auch die Duldung der nach viktorianischen Maßstäben unerhörten Beziehung zu John Stuart Mill.

Harriet Taylor Mill und John Stuart Mill

Harriet jedenfalls begann, nachdem ihre Ehe für sie zu Ende war, eine ganz ungewöhnliche Karriere als radikale feministische Denkerin im Dialog mit dem ebenso radikalen und brillanten John Stuart Mill. Die beiden entwickelten ihre Ideen zur Frauenfrage (Enfranchisement of Women, 1851; The Subjection of Women, 1859), zur politischen Ökonomie (Principles of Political Economy, 1848) und zur Freiheit (On Liberty, 1869) gemeinsam in einem intellektuellen Dauerfeuer. Die Ergebnisse ihrer Denkarbeit erschienen überwiegend unter seinem Namen, weil ihnen dadurch mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit gewiss war. (George Eliot, George Sand und die Schwestern Bronte veröffentlichten ihre radikalen Werke um dieselbe Zeit unter männlichem Pseudonym).

Bis heute weigert sich allerdings die John-Stuart-Mill-Forschung, dem Philosophen zu glauben und Harriet Taylor Mills Koautorschaft anzuerkennen; es heißt, die (unerfüllte) Liebe und Harriets Verführungskunst habe ihn blind gemacht. Entgegen seinen Beteuerungen sei Harriet nicht die große Denkerin gewesen, der er die radikalsten seiner Ideen verdankte. Die Harriet-Taylor-Mill-Forschung hingegen konnte nachweisen, dass der große Philosoph auch in dieser Hinsicht ernst zu nehmen ist. Viele seiner Ideen stammen tatsächlich von ihr.

 

Quelle: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/harriet-taylor-mill...

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Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.