Red Hand Day

Autorin: 

Rita Schäfer, Ethnologin

Gemäß lokaler Geschlechterhierarchien und martialischer Männlichkeitsvorstellungen, die in Kriegen noch verstärkt werden, erhalten Frauen und Mädchen zumeist keine Führungspositionen, auch wenn manche militärisch verklärende Literatur und Propaganda-Materialien von Kriegsparteien Kämpferinnen als Befreierinnen rühmen. In den Guerillaeinheiten und Armeen werden Frauen und Mädchen systematisch missbraucht und diskriminiert - auch in Milizen, die Emanzipation propagieren. Ungewollte Schwangerschaften und HIV-Infektionen sind Strukturprobleme, da die Kommandanten sich meistens nicht für die Gesundheit ihrer Untergebenen einsetzen und Verluste durch neue Rekrutierungen wettmachen. Auch die wenigen Kommandantinnen garantieren vielerorts keine bessere Behandlungen der oft minderjährigen Soldatinnen, denn sie müssen gegenüber männlichen Befehlshabern besondere Härte beweisen, um ihren Führungsposten zu behalten.

Mit dem Abdruck rot bemalter Hände wehren sich Kinderrechtsorganisationen und internationale Akteure gegen die Rekrutierung von Minderjährigen, die in über 20 Ländern noch Praxis ist, manche Organisationen gehen sogar von 50 Ländern aus. Einige Anklagen und Urteile des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag (ICC) gegen Kriegsherren unter anderem aus der Demokratischen Republik Kongo beinhalteten den Einsatz von Kindersoldaten/innen als Kriegsverbrechen und schwere Menschenrechtsverletzung. Die haben jedoch keine abschreckende Wirkung, denn Kinder und Jugendliche sind leicht zu manipulieren, sie können Kleinwaffen deutscher und anderer Rüstungsproduzenten tragen und bedienen, die weltweite Kassenschlager sind.

Gegen die Waffenlobby gehen Politiker/innen nur bedingt vor. Eloquente Vertreter der Waffenlobby, die teils als Entourage Politikerreisen ins Ausland begleiten, wissen sehr geschickt, mit der Keule „Sicherung deutscher Arbeitsplätze“ zu drohen. Rhetorisch geschult wischen sie Verstrickungen ihrer Unternehmen in dubiose Waffendeals und Verstöße gegen Menschen-/Kinderrechte vom Tisch. Die sind allerdings Kriegs- und Fluchtursachen, die hiesige Regierende neuerdings eigentlich überwinden wollen. Zudem werden die Kleinwaffen nicht direkt in Deutschland produziert, sondern Lizenzen an hochgradig militarisierte Länder mit einer fragwürdigen Menschenrechtsbilanz vergeben.

Wer den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen, aber auch von Jungen und jungen Männern, in Milizen und Armeen ablehnt, sollte nicht nur auf Warlords und Militärchefs oder korrupte Regime zeigen, deren Eliten sich mit brutalen Mitteln an die Macht klammern, sondern auch fordern, dass hiesige (Mit)Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn an ihren Händen nicht deutlich sichtbar Blut klebt und sie sich mit „weißer Weste“ inszenieren.

 

 

Weiterführende Infos:

http://www.redhandday.org/index.php?id=4&L=2

http://www.tdh.de/was-wir-tun/themen-a-z/kindersoldaten/meldungen/der-red-hand-day.html

https://childrenandarmedconflict.un.org/

http://www.securitycouncilreport.org/un-documents/children-and-armed-conflict/

http://www.ohchr.org/EN/ProfessionalInterest/Pages/OPACCRC.aspx

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.