Luise Büchner

Autorin: 

Barbara Fischer

In ihrem Buch beschreibt Iris Welker-Sturm (Foto) die Entwicklung einer Frau in der Restaurationszeit des Biedermeier und Vormärz. Eine Entwicklung, die von ihrer Zeit geprägt wurde und die umgekehrt ihre Zeit prägte. (Iris Welker-Sturm) Eine Frau entwickelte sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen immer in Reflektion auf Männer. Denn Frauen wurden damals nicht gehört, hatten kein Recht auf Bildung, durften nicht studieren, sich überhaupt nicht politisch betätigen, nicht wählen (Frauenwahlrecht gab es erst seit 1918), nicht alleine leben, nicht…etc pp. Ein Dasein, eingerahmt von Verboten und Konventionen war es, das Luise Büchner auf sanfte Art aufsprengen wollte, ja musste. Sie war körperbehindert und klug. Für eine solche Frau  würde sich kein Mann finden, der sie versorgte. Eine Revolutionärin war sie nicht, und doch schaffte sie es, sich Gehör zu verschaffen, sich für andere Frauen einzusetzen, publizistisch, praktisch und nach dem Tod des Vaters auch literarisch.

Ihr Gedicht Die Buche beschreibt im Bild des Efeu, wie sich die Frau an den starken Mann anlehnt. Nach damaligem Dafürhalten waren Frauen nicht schöpferisch, wie es ein Weggefährte Luise und Georg Büchners, Karl Gutzkow, ausdrückte. Gutzkow verhalf Georg Büchners erstem Theaterstück zur Veröffentlichung. Doch es gibt Stimmen, die beteuern, ohne Luise Büchner wäre Georg Büchners Werk nach dessen frühem Tod 1837 der Nachwelt nicht erhalten geblieben. Der Umfang ihres Einsatzes bleibt im Nebel der Geschichte.

Iris Welker Sturm erzählt Luise Büchners Rolle bei der Überlieferung von Georgs Werk neu, sodass ihre innere Entwicklung und die gesellschaftlichen Verhältnisse sichtbar werden: Ein Entwicklungsroman, ein Zeitporträt und manch neuer Blick auf die Büchners.

 

Die Buche

Allein steht eine Buche

Entfernt vom Waldesplan,

Von Sträuchern nur umgeben

Zu klein, sie zu erstreben,

An die sie sich nicht lehnen kann.

 

Doch wie sie so alleine

Dort wurzelt stolz und stark,

Verkünden Wuchs und Krone,

Daß tief im Innern wohne

Ein kräftiges und edles Mark.

 

Es mag der Sturm umpeitschen

Und wild umtoben sie;

Er mag die Zweige knicken,

Die Blitze sie umzücken,

Den Wipfel beugt sie feige nie!

 

Doch unter diesem Wipfel

Hängt sicher manches Nest,

Zur Blüthe Knospen streben,

Hebt sich zu höh’rem Leben

Am Stamm empor der Epheu fest.

 

O, Baum, in deiner Höhe,

Wie glücklich scheinst du mir!

Die starke bei den Schwachen,

Darfst stolz Du sie bewachen

Und alles schaut hinauf zu dir!

 

Da reget sie die Zweige

Und flüstert leis‘ und lind:

„Wohl schön ist’s daß ich ihnen,

Den Schwachen, hier kann dienen,

Doch bin ich drum nicht frohgesinnt.

 

Wie ich allein hier stehe

Ganz auf mich selbst gestellt,

Wär‘ unter meinem Dache

Ich lieber doch die schwache

Feldblume, die mein Schutz erhält.

 

Wär‘ lieber selbst das Vöglein,

Das süß mir Lieder singt,

Am liebsten wohl der warme

Epheu, der seine Arme

In Lieb‘ und Treue um mich schlingt!“


Quelle: Luise Büchner, Frauenherz, Erstdruck Max Hirsch, Berlin 1862.

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.