Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte

Autorin: 

Barbara Fischer

 

Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Er geht auf die Arbeiterinnenbewegung zurück, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der um sich greifenden Industrialisierung entstand. Vor allem in Amerika streikten Anfang des 20. Jahrhunderts die Textilarbeiterinnen immer wieder. Tausende von ihnen wurden verhaftet. Die Botschaft wurde weltweit gehört: mehr Rechte, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Frauen.

Es gab schon eine weltweite Frauenbewegung als der II. Sozialistische Frauenkongress in Kopenhagen im Jahr 1910 die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages beschloss, auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin (Foto, 1857-1933).

"Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" - forderte Clara Zetkin auf dem Kongress. Trotz seiner Wurzeln in der  Arbeiterinnenbewegung v.a. der USA kann Clara Zetkin mit Fug und Recht als „Begründerin und Ahnin“ des Internationalen Frauentages gefeiert werden. Sie initiierte den ersten Frauentag am 19. März 1911. An diesem Tag gab es Demonstrationen in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA, mehr als eine Million Frauen gingen auf die Straße. Eine bis dahin beispiellose Massenbewegung. 1912 schlossen sich  Frauen in Frankreich, Schweden und den Niederlanden der Idee an und gingen auf die Straße, 1913 Frauen in Russland.

Die zentralen Forderungen: das Wahl- und Stimmrecht, die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, ausreichender Mutter- und Kinderschutz, die Festsetzung von Mindestlöhnen und gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung. Außer in Finnland durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen. In Deutschland wurde Frauen dieses Recht erst 1918 zugestanden. In der Schweiz dürfen Frauen sogar erst seit 1971 wählen.

Das Jahr 1917 war ein Schicksalsjahr in Russland. Am 8. März 1917 (nach russischem Kalender war es Ende Februar) demonstrierten Frauen anlässlich des Internationalen Frauentages in St. Petersburg. In Textilfabriken traten Arbeiterinnen in den Streik und forderten andere Betriebe auf, sich anzuschließen. Am Ende streikten 90.000 Menschen. Dieser Streik griff auf andere Bereiche über und mündete in einem Aufstand, die Februarrevolution begann in Folge derer der Zar abdankte.

Im Jahr 1921 legte eine große sozialistische Frauenkonferenz den 8. März als Datum für den Internationalen Frauentag fest, um dauerhaft an dieses Ereignis und die Wirkkraft der Einigkeit zu erinnern.

Die Themen wandelten sich von Epoche zu Epoche. Unter den Nationalsozialisten war der Internationale Frauentag verboten.

Plakat des DFD: 50 Jahre Internationaler Frauentag am 8. März 1950. Das Plakat ist der CD-ROM ''Das politische Plakat der DDR (1945-1970)'' entnommen, die im Shop des Deutschen Historischen Museums angeboten wird. In der DDR wurde er von Anfang an auch von staatlicher Seite gefeiert.

In Westdeutschland kehrte er im Zuge der Frauenbewegung der 60er Jahre ins Bewusstsein zurück. Hier kämpften die Frauen in den 70er Jahren vor allem um das Recht auf Abtreibung und die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik.

Und heute? Fordern rechte Parteien und PopulistInnen eine beispiellose Rolle rückwärts.

Also gilt auch und gerade für heute: ab auf der Straße!

Aktuelle Beiträge

Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

Kontakt

Barbara Fischer Reitzer.