Jagende Sammlerinnen - sammelnde Jägerinnen

Autorin: 

Sibylle Kästner, Ethnologin

Mittlerweile ist es üblich geworden, die Welt im Allgemeinen und Geschlechterstereotype im Besonderen mit der Steinzeit zu erklären. So äußert sich der Konsumforscher Alexander Hennig über das unterschiedliche Einkaufsverhalten von Frauen und Männern wie folgt:

Der Mann verhält sich wie ein frühsteinzeitlicher Jäger. Er steht unter Hochspannung. Er will das Kleidungsstück möglichst schnell erlegen. Der will nicht stundenlang anprobieren und Preise vergleichen. [...] Bei Frauen schaffen es nur 25 Prozent der Textilien von der Umkleide zur Kasse. Sie sind keine Jäger, sondern Sammler. Sie haben genau die Umgebung erkundet und wissen, wo die guten Beeren wachsen. Sie vergleichen Preise und Verarbeitung. (Sauer 2012)

Hennigs Aussage, die stellvertretend für viele andere steht (vgl. Röder 2007. – Voss 2013), folgt einem spezifischen Muster. Typisch ist, dass genau festgelegte Geschlechterrollen postuliert werden, deren Ursprung weit weg in der Urzeit liegt. Abweichungen von der Regel werden ebenso wenig thematisiert wie Gemeinsamkeiten der Geschlechter. Sehr beliebt ist außerdem der Rückgriff auf das Stereotyp  Frau – Sammlerin, Mann – Jäger. Dieses Stereotyp gilt als vermeintliche Tatsache: als Universalie mit Vergangenheit (es war schon immer so), als Universalie mit Gegenwart (es ist noch immer so) und als Universalie mit Zukunft (es wird immer so bleiben).

Abb. 1: Horacek, Judy. Woman with Altitude. Rydalmere, NSW: Hodder Headline 1997, 15. © JUDY HORACEK 1997. Reproduced with permission. www.horacek.com.au; letzter Zugriff: 29.07.2014

Archäologie und Ethnologie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die vermeintliche Universalie erhalten bleibt. Zum einen herrscht zwischen beiden Disziplinen noch weitgehend Einigkeit darüber, dass Jagd schon immer ein Männern vorbehaltenes Territorium war. Die Ethnologie zieht ihre Schlüsse aus der Beobachtung noch lebender Jäger. Wegen fehlender Beobachtungsmöglichkeiten muss die Archäologie Anleihen bei anderen Disziplinen machen und interpretiert ihre Funde und Befunde vor allem anhand von Analogien aus der Ethnologie. Der Zirkelschluss ist perfekt, wenn sich die Ethnologie wiederum auf die Ergebnisse der KollegInnen aus der Archäologie verlässt, wenn es um die Urgeschichte der Jagd geht. Der rein männlichen Jagd wird so eine Jahrtausende alte Tradition bescheinigt (Kästner 2012). Zum anderen führt die Fixierung auf Männer, der male bias vieler WissenschaftlerInnen, dazu, dass das, was Frauen tatsächlich mach(t)en, gar nicht wahrgenommen wird. Frauen sind und bleiben in dieser Vorstellung die von der Jagd ausgeschlossenen ewigen Sammlerinnen, sie spiel(t)en eine unbedeutende Nebenrolle. Diese Rollenverteilung ist auch auf dem Cartoon der australischen Illustratorin Judy Horacek (Abb. 1) erkennbar. Der Jäger als Fleischlieferant (= Hauptgericht) hat die zentrale Rolle im Szenario inne. Die Sammlerin ist lediglich schmückendes Beiwerk, wie das Grünzeug (= Beilage), das sie zum Essen beisteuert und die Pflanzen, die den Cartoon einrahmen.

Von der Echse zum Elch: Ethnografische Jägerinnen-Beispiele

Ob es stimmt, was der Konsumforscher Hennig über die Ausprägung aktueller Rollenklischees beim Einkaufen behauptet, ist fraglich. Als völlig überholt erweist sich das Stereotyp der urzeitlichen Beeren-Sammlerin.[1] Zum einen ist die Tätigkeit des Sammelns mittlerweile aufgewertet worden. EthnologInnen und ArchäologInnen haben lange Zeit die Jagd auf Großwild überbewertet. Kleinwild wurde dagegen kaum beachtet. Durch die Analysen der Geschlechterforschung wurde bekannt, dass Pflanzen, Insekten, Eier, Muscheln, Fische und Kleinwild wichtige Nahrungs- und Rohstoffquellen indigener Gruppen sind bzw. waren (Owen 2005). Zum anderen hat sich der Blick auf die Beutebeschaffung verändert. Bisher verherrlichte die Forschung den einsamen männlichen Großwildjäger und hob den Tötungsmoment übermäßig hervor. Neuere Ansätze betrachten alle Arten der Beschaffung tierischer Beute, d.h. Sammeln, Fang und Jagd, als mehrphasigen Prozess aufeinander bezogener Handlungen, an denen beide Geschlechter je nach Alter in ganz unterschiedlicher Weise beteiligt sein können (Jarvenpa / Brumbach 1995). Darüber hinaus sind Frauen als aktive Beutemacherinnen in den Fokus gerückt. Es liegen ethnografische Daten über Wildbeuterinnen aus nahezu allen Weltregionen vor, die direkt oder indirekt, allein, mit anderen Frauen und / oder mit Männern an Jagden auf Klein- und Großwild teilnehmen, die sich aktiver und passiver Beutebeschaffungsmethoden bedienen, die Multifunktionsgeräte einsetzen oder Waffen. Manche begeben sich gelegentlich auf die Suche nach tierischer Beute, andere regelmäßig, die einen menstruierend oder schwanger, mit oder ohne Kinder, im Rahmen von Geschlechterrollenwechseln oder als selbstverständlicher Teil ihrer Frauenrolle (Kästner 1998. – Kästner 2012). Betrachten wir ethnografische Beispiele aus drei Weltregionen im Folgenden genauer.

Afrika

Pygmäengruppen wie die BaAka, Bofi, Mbote und Mbuti in Zentralafrika haben sich auf die Jagd spezialisiert. An der täglich bis zu acht Stunden dauernden Netzjagd beteiligen sich Frauen, Männer und Kinder ab fünf Jahren; Jagdteams können bis zu 100 Personen umfassen. Das Kinderkriegen beeinträchtigt die Frauen in keinster Weise, oft nehmen sie schon wenige Tage nach der Geburt wieder an der gemeinsamen Jagd teil. In den einzelnen Phasen des Netzjagdprozesses zeigt sich die große Variabilität alters- und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. Bei den Mbuti wird das Netz von Frauen und Männern geknüpft, bei den Bofi nur von Männern. Mbuti-Frauen und Kinder treiben die Beute, die meist aus Kleinwild wie Antilopen besteht, in die Netze. Bei den Mbote ist Treiben Aufgabe beider Geschlechter, bei den BaAka sind Männer die Treiber. Das Töten des Wildes obliegt je nach Gruppe Frauen und / oder Männern. Bei allen Pygmäengruppen gilt die Regel, dass dem Netzbesitzer die Beute gehört. Sind Frauen im Besitz der Netze, dann können sie diese verleihen.Das Verleihen von Netzen stellt eine Form der indirekten Jagd dar, durch die Frauen ohne direkte Beteiligung am Erfolg der Jagd teilhaben können (Harako 1981. – Noss / Hewlett 2001. – Lupo / Schmitt 2002). Beispiele für indirekte Frauenjagd gibt es auch aus anderen Regionen Afrikas. Bei südafrikanischen San-Gruppen wie den Ju/’hoan ermöglicht der sogenannte hxaro-Austausch den Frauen, die von der aktiven Speerjagd auf Großwild ausgeschlossen sind, zumindest in den Besitz von Pfeilen zu gelangen, wenn auch nicht selbst zu jagen. Die Pfeile können dann z.B. an den Ehemann verliehen werden. Tötet dieser ein Tier mit ihrem Pfeil, dann gehört die Beute ihr. Ju/’hoan-Frauen gelten außerdem als exzellente Spurenleserinnen, die ihre Ehemänner regelmäßig auf der Pirsch begleiten (Biesele / Barclay 2001).

Alaska, Kanada und Nordamerika

Jagende Frauen waren bei den in der Arktis lebenden Inuit (Eskimo) nichts Außergewöhnliches. Frauen der Copper-Inuit beteiligten sich an der Vorbereitung von Treibjagden auf Karibus und nahmen an diesen als Treiberinnen teil. Ebenso begleiteten junge Frauen ihre Männer bei der Seehundjagd oder zogen selbst los, um Karibus zu jagen (Jenness 1922). In subarktischen Gebieten war der ganzjährige Kaninchenfang neben dem Beerensammeln vor allem Aufgabe der Frauen und Mädchen. Während Naskapi-Frauen Schlingen auslegten, stellten Frauen der Chipewyan und Ojibwa Fallen zum Fang der Nager auf. Die in den Waldgebieten Kanadas lebenden Ojibwa-Frauen und -Männer waren aufgrund saisonaler Isolation darauf angewiesen, sich im Notfall selbständig zu versorgen. Ojibwa-Frauen, die Großwild wie Bären, Elche und Hirsche jagten, taten dies bei Krankheit, Tod oder Fortgang des Ehepartners. Manche Väter entschieden sich dazu, ihre Töchter als Jägerinnen zu erziehen, vor allem dann, wenn sie keine Söhne hatten. Gewöhnlich halfen Ojibwa-Mädchen ihren Vätern bei der Jagd auf Gänse oder Elche, indem sie das Boot steuerten und Ausschau nach Wild und möglichen Gefahren hielten; diese Rolle als Jagdhelferinnen erfüllten sie auch als spätere Ehefrauen. Nach einer erfolgreichen Jagd waren die Frauen außerdem für einen wichtigen Teil der Opferzeremonien zuständig, die die Jäger verrichten mussten (Landes 1938. – Jarvenpa / Brumbach 1995). Von nordamerikanischen IndianerInnen, die in den Plains und im Großen Becken lebten, sind weitere Arrangements bekannt, innerhalb derer Frauen jagten. Woman Chief, eine Crow, die gegen 1850 eine sehr erfolgreiche Jägerin und Kriegsanführerin war, wurde wegen ihres Interesses an Männerarbeit als Jägerin erzogen. Zu Reichtum kam sie durch Raubzüge und Jagdaktivitäten, bei denen besonders viele Bison- und Hirschhäute anfielen. Zur Verarbeitung der Häute nahm sie sich insgesamt vier Ehefrauen, die sie offiziell heiratete. Woman Chief betrachtete Frauenarbeit – wozu bei den Crow das Bearbeiten von Häuten gehörte – für sich als tabu. Sie hatte einen gesellschaftlich anerkannten Geschlechterrollenwechsel vollzogen und nahm fortan den Status eines Jägers und Kriegers ein (Denig 1961. – Lang 1990). Wie auf einem Gemälde aus dem Jahr 1837 zu sehen ist, waren auch Shoshone-Frauen in der Region des Großen Beckens als Bisonjägerinnen aktiv (Abb. 2).

Abb. 2: THE WALTERS ART GALLERY, Baltimore.

Australien

Kaninchen zählen in anderen Regionen der Welt, z.B. in Australien, vorwiegend zur Frauenbeute. In der zentralaustralischen Wüste werden sie von Kukatja-, Pitjantjatjara- und Warlpiri-Frauen, die in Teams arbeiten, noch immer mithilfe von Grabstöcken aus dem Bau ausgegraben. Pitjantjatjara-Mädchen begeben sich schon mit drei Jahren selbständig auf Nahrungssuche. Dabei haben sie insbesondere Echsen im Visier. Wenn sie älter sind, unterstützen sie ihre Mütter und weiblichen Verwandten aktiv bei deren Beutezügen, oft betreuen sie auch jüngere Geschwister (Bryce 1998. – Vaarzon-Morel 1998). Wegen der für Aborigines charakteristischen Geschlechtertrennung sind gemischt-geschlechtliche Jagdunternehmungen in Form miteinander jagender Ehepaare oder an Treibjagden teilnehmender Lokalgruppen eher selten (gewesen). Kukatja-, Pitjantjatjara- und Warlpiri-Frauen sind qua ihrer Geschlechterrolle nicht nur Pflanzen-Sammlerinnen, sondern erbeuten regelmäßig tierische Nahrung in Form von Raupen, Echsen (Abb. 3), Schlangen und Kaninchen oder jagen gelegentlich Kängurus. Zu ihrer Ausrüstung gehören Grabstöcke, die von den Frauen oft selbst angefertigt werden, Holzgefäße und Beile, die auch bei Sammelzügen für pflanzliche Nahrung Verwendung finden, Feuer und Hunde, seltener auch Gewehre (Kästner 2012).

Abb. 5: Kukatja-Frau Pai Pai Napangarti (Aborigines) mit Grabstock und Echse, Western Desert, Australien, 2001

Nicht in allen Aborigines-Gruppen steht Frauen der Zugang zur Jagd gleichermaßen offen. Das mancherorts existierende Verbot der Großwildjagd wird mit zunehmendem Alter der Frauen gelockert oder aufgehoben (Kästner 2012). Wenn es um die Durchführung von Riten zur Vermehrung von Pflanzen und Tieren geht, ist wiederum das Alter der Frauen ausschlaggebend. Nur ältere Frauen durften sich in den 1930er Jahren am Wiederbemalen schon existierender Felsbilder in den Kimberleys im Norden Australiens beteiligen. Durch das Übermalen reaktivierten sie die in den Malereien befindlichen Lebenskräfte (Kaberry 1939).

Jägerinnen der Urzeit: Wunsch oder Wirklichkeit?

Die Beteiligung von Frauen an der Jagd ist keine moderne Erscheinung. Spuren Beute machender Frauen lassen sich in allen hier genannten Regionen über mehrere Jahrhunderte hinweg zurückverfolgen, sodass auf eine regionale Tradition jagender Frauen geschlossen werden kann (Kästner 2012). Die Existenz von Jägerinnen im jungpaläolithischen Europa (ca. 40’000-10'000 v.Chr.) ist zu vermuten, lässt sich aber allein auf Basis archäologischer Quellen nicht beweisen. Die bei Ausgrabungen gefundenen Steinwerkzeuge und Tierknochen belegen zwar, dass Wild zur Strecke gebracht wurde. Wer das Wild erbeutete – ob Frauen, Männer oder Kinder – sieht man den Steinwerkzeugen und Tierknochen allerdings nicht an; Antworten auf diese Frage sind folglich spekulativ.

Bislang interpretierten ArchäologInnen Steinwerkzeuge in Anlehnung an ausgewählte ethnografische Vergleiche als von Männern hergestellte und benutzte Jagdwaffen. Frauen wurde dagegen archäologische Unsichtbarkeit attestiert: Da sie keine Jägerinnen waren, können sie auch keine Jagdwaffen hinterlassen haben, die man bei Ausgrabungen wiederfinden könnte. Außerdem existierte die Meinung, dass das Sammeln im Gegensatz zur Großwildjagd archäologisch kaum nachweisbar sei. In Studien über die materielle Kultur rezenter Wildbeuterinnen und ihre Ausrüstung zur Beschaffung tierischer Beute wurden diese Annahmen mittlerweile jedoch als male bias entlarvt (Owen 2005. – Brumbach / Jarvenpa 2006. – Kästner 2012). Die Vorstellung, dass neben Männern auch Frauen Werkzeuge herstellten und benutzten, hat inzwischen Eingang in wissenschaftliche Rekonstruktionen gefunden. So werden Netzabdrücke auf jungpaläolithischen Tonfragmenten aus Tschechien als Hinweis auf das Vorhandensein von Netzen interpretiert. Analog zu ethnografischen Beispielen wird angenommen, dass sich jungpaläolithische Frauen aktiv an Netzjagden beteiligten (Soffer et al. 1998. – Lupo / Schmitt 2002). Andere Rekonstruktionen verorten Frauen als Treiberinnen und Beuteverwerterinnen bei gemeinschaftlichen Großwildjagden oder aber beim Vogel- und Kaninchenfang (Owen 2005. – Bond 2013).

Eine weitere Möglichkeit, Jägerinnen sichtbar zu machen, bieten Grabfunde. Beispiele für Bestattungen, die wegen der Waffenbeigaben als potentielle Jägerinnen gelten, stammen aus vorchristlichen Inuit-Friedhöfen in Grönland, Kanada und Sibirien (Müller-Beck 1998. – Crass 2001). Aussagen über jungpaläolithische Jägerinnen anhand von Grabbeigaben sind schon wegen der kleinen Anzahl auswertbarer Bestattungen problematisch. Jagdwaffenfunde in jungpaläolithischen Gräbern kommen selten vor, meist wurden die Toten beiderlei Geschlechts mit Schmuck und / oder Kleidung beigesetzt. Das Grab eines 9 bis 10 Jahre alten Mädchens aus dem russischen Sunghir, das mit mehreren Lanzen bestattet wurde, steht bislang singulär dar.[1] Um Hinweise auf mögliche Jagdaktivitäten der Toten zu erhalten, sollten auch ihre Skelette untersucht werden. So können bestimmte Verletzungsmuster (Lessa 2011), d.h. spezifische Knochenbrüche, die vor allem bei Jagdunfällen auftreten, sowie bestimmte Aktivitätsmuster, die auf die Nutzung bestimmter Muskelgruppen zurückgehen und sich durch sogenannte Muskelmarken am Skelett abzeichnen, Indizien für Jagdaktivitäten sein. Aktivitätsmuster, die auf Speerwerfen hindeuten, fanden sich bislang nur an wenigen männlichen Skeletten – die meisten Frauen und Männer aus dem Jungpaläolithikum zeigen diese spezifischen Muskelmarken nicht. Angesichts der geringen Zahl der untersuchten Skelette[2] sollten jedoch noch keine Schlüsse über den Jagdwaffengebrauch jungpaläolithischer Männer und Frauen gezogen werden (vgl. Villotte et al. 2010). Bislang gibt es keine Belege dafür, dass Frauen nicht gejagt haben. Einen Hinweis bieten allerdings die Knochenverletzungen, die auf alltägliche Unfälle zurückgehen: Anders als im nachfolgenden Neolithikum zeigen sich hier für das Paläolithikum keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern, was auf ähnliche Tätigkeiten beider Geschlechter schließen lässt (Grimm 1973).

Die hier vorgestellten Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Geschlechterstereotype kritisch zu hinterfragen. Das als Universalie gehandelte Stereotyp Frau – Sammlerin, Mann – Jäger stellt keine unverbrüchliche Wahrheit dar, sondern erweist sich als eine Mär, als eine unwahre Erzählung. Bislang war die Erzählung einseitig auf Männer ausgerichtet und von der Vorstellung geprägt, dass Geschlechterrollen ahistorisch und statisch seien. Inzwischen liegt genug Datenmaterial vor, mit dessen Hilfe die Erzählung nicht nur umgeschrieben werden kann, sondern umgeschrieben werden muss – und zwar so umgeschrieben werden muss, dass neben Frauen und Kindern auch alte Menschen als Akteure sichtbar werden. Eine Erzählung, die die Flexibilität und Dynamik von Geschlechterrollen widerspiegelt. Eine Erzählung, in der sich jagende Sammlerinnen zusammen mit sammelnden Jägern auf Beutesuche begeben.




[1] Für die Geschlechtsbestimmung des Skeletts aus Sunghir wurden morphologische und metrische Verfahren sowie eine DNA-Analyse durchgeführt (http://soilinst.msu.ru/~ladygin/sungir/paleopathology/index.php; letzter Zugriff am 25.11.2013).

[2] 37 Skelette wurden untersucht. Lediglich vier Männner wiesen besagte Knochenveränderungen, die als Aktivitätsmuster gedeutet werden, auf. Wegen der geringen Fallzahl könnte dieser Wert auch zufallsbedingt sein (Villotte et al. 2010, 35; 39).

 




[1] Da das Stereotyp Mann – Jäger bislang kaum hinterfragt wurde – das Forschungsfeld Mann – Sammler ist noch unerschlossen – konzentriere ich mich hier auf das Frauen-Stereotyp.

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Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.