Die Illustrationen in „Liliths Weltenchronik“ von Irmtraud Knoth.

Autorin: 

Irmtraud Knoth, Künstlerin

Ein Brief von der Malerin an die Autorin.

Liebe Barbara,

vor einiger Zeit las ich bei C.G. Jung:

„Die ewige Wahrheit bedarf der menschlichen Sprache, die sich mit dem Zeitgeist ändert. Die Urbilder sind unendlicher Wandlung fähig und bleiben doch stets dieselben,
aber nur in neuer Gestalt können sie aufs Neue begriffen werden.“

Du hast in „Liliths Weltenchronik“ die Bilder und Figuren der keltischen Mythologie zusammen gewürfelt und eine Geschichte daraus geschrieben. Es ist die Geschichte der Frauen. Die Göttinnen wie die Menschen haben fast immer mehrere Aspekte. So verkörpert Kundrie für mich die spirituelle Seite. Bei Mahhara dominieren die Bauchgefühle, mit denen allein man manche Bruchlandung machen kann. Fangdarna ist die dunkle Seite und Lilith die intellektuelle.

Die Sippenmütter stehen für alle starken Frauen dieser Erde!

Auch Lilith in der Perle - die Trennung von Seele und Körper - zeigen die Jahrhunderte der Gewalt an Frauen. Odin hat am Baum seine Initiation. Die rohe Stärke der dummen Riesinnen! Die hilfreichen Naturwesen!…

Ich male mythologische Figuren auf Leinwand, du beschreibst sie in Geschichten. Über meine  Nornen, die drei Schicksalsfrauen aus der nordischen Mythologie sind wir ins Gespräch gekommen. Du fragtest, ob ich dein Buch illustrieren wollte und erzähltest mir, warum du „Liliths Weltenchronik“ schriebst. Du wolltest einen Spatenstich tun, auf der Großbaustelle „Frauenbewusstsein“. Und Mythologie ist für dich der Schlüssel, der die Tür aufsperrt zu den tiefen Schichten des Bewusstseins, dahin, wo die Bilder lagern. An dieser Stelle wolltest du graben und umbauen.

Genau dort also, wo ich malte. Ich erzählte dir, warum ich die Nornen malte.
Die Nornen sind Urd, Verdandi und Skuld - die Weberinnen des Schicksals. Sie symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auch in der griechischen Mythologie gibt es die Schicksalsweberinnen – sie heißen die Moiren.
Als Schicksalsspinnerinnen halten meine Nornen ein goldenes Geflecht in den Händen mit Verknotungen, Brüchen und ungeflochtenen Bändern.
Urd, die Vergangenheit, hat ein Band in der Hand, das zu Verdandi flattert. Sie schaut dabei Verdandi an, die als die Gegenwart den Bildbetrachter ansieht.
Das Ende des Bandes hält Skuld, die Zukunft, fest. Und auch sie schaut zu Verdandi, der Gegenwart.
So verbinden und beeinflussen sich: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Dann wolltest Du wissen, warum ich Malerin geworden bin.
Ich bin nie Malerin „geworden“. Ich war es irgendwie schon immer. Gezeichnet habe ich, solange ich zurück denken kann. Davon zeugt noch das Gekritzel auf den Innendeckel meiner alten Bilderbücher. Damals war wohl mein liebstes Motiv die „Himmelswiese“ wie ich es nannte. Sonne, Blumen, Gras und Prinzessinnen mit Flügel. Später, im Gymnasium, hatte ich einen hervorragenden Deutschlehrer, der es verstand, die Liebe zur Kunst und Literatur zu wecken. Es gab dann keine Alternativen in der Berufswahl mehr. Ich studierte in Mainz Kunst.

Es ist jetzt nicht mehr die alte Himmelswiese, es ist der mythologische Themenbereich, der mich fasziniert. Vor allem, die weibliche Seite!

Aber gibt es überhaupt eine „Männermythologie“, wie du sagst?
Ich glaube, die gibt es nur bedingt. Die Wurzeln sind alle weiblich!
Warum ich mythologische Frauengestalten male? Vielleicht, weil ich auf der Suche war nach meiner eigenen Wertigkeit als Frau.

Lieblingsheldinnen, habe ich, glaube ich, keine! Ich bemühe mich, meinem eigenen roten Faden zu folgen. Allerdings gibt es eine ganze Menge von Frauen und auch Männern, für die ich dankbar bin, dass sie gelebt haben oder noch leben.

Das war’s für heute!
Herzliche Grüsse  von Irmtraud

Thiergarten, den 12. April 2014

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

Kontakt

Barbara Fischer Reitzer.