Besuchszeit vorbei. Oder: Kill the Kasper

Autorin: 

Barbara Fischer, Schriftstellerin

 

Wer im Zusammenhang mit dem Begriff Puppenspiel Bilder assoziiert, in denen Urmel aus dem Eis oder das Kölner Hänneschen Theater eine Rolle spielen, war nicht gewappnet für das, was da kam. „So fasziniert war ich noch nie von einem Puppenspiel“, fasste die niederländische Puppenspielregisseurin Joanne Oussoren die Aufführung zusammen, die sie als Gast besuchte.

Joanne Oussoren

Worte, um die Gefühle der  ZuschauerInnen beschreiben, die sich in ihren Gesichtern spiegelten, reichen von verunsichert und ratlos bis hin zu fassungslos oder angeekelt, manche waren aber auch belustigt. Eine Frau verließ den Raum, eine andere setzte sich hinter die ZuschauerInnenmenge auf den Fußboden und schaute einfach nicht mehr hin, ein Dritter lachte. Spätestens nachdem der Klassiker des traditionellen Puppenspiels, das Kasperle, nach seinem Tri-Tra-Trallallalla-Auftritt von den maskierten Puppenspielern abgemurkst wurde, war klar, der Abend hat es in sich.

Kasper ua. tot am Boden, die demaskierten Puppenspieler machen Pause  

Wie aber bringt man Puppen überhaupt um? „…man wirft sie weg und spielt sie einfach nicht mehr“, erklärt Puppenspielerin Ulrike Schuster, die, wie sie sagt, während der Proben zu dem Stück an ihre Grenzen kam und kurz vor davor stand, aufzugeben.

Was geschieht da? …mit den Puppen? …mit den ZuschauerInnen? …mit den AkteurInnen? Wer ist überhaupt was? Die Botschaft ist klar: hier werden Grenzen verschoben. Ungewöhnlich ist schon der Start des Spiels: die Gäste werden von einer Puppe in den Zuschauerraum geleitet. Sie begrüßt alle und liegt nur Momente später tot am Boden.

 

Purple girl (rechts) begrüßte die Gäste, sie überlebt den Abend nicht.

Wer spielt hier und was? Welche Rolle nehmen die ZuschauerInnen in dem Spektakel ein? Bemerkt man erst, wenn es zu spät ist, was gespielt wurde - wie so oft? Trägt man deswegen keine Verantwortung für das, was geschah?

Auf dem Schafott  ...danach

Solcherart Allegorien sind weder unbeabsichtigt noch zufällig. Der israelische Regisseur Ariel Doron provoziert bewusst mit einem Stück, in dem Puppen gleichnishaft sterben. Wofür? Warum? Und wer ist daran schuld?

Er wehrt sich...sein Bruder auch...  ...vergeblich.

Diese Fragen müssen sich alle nach oder während des Abends selbst beantworten. Ein starkes Stück!

Zuschauer

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.