Auf der Leipziger Buchmesse 2014

Autorin: 

Barbara Fischer, Literaturwissenschaftlerin und Autorin

Die Leipziger Buchmesse 2014 endete mit einem Besucher_innenrekord – mal wieder. Zwischen dem 13. Und 16 März fluteten nochmal 7000 Menschen mehr als im Vorjahr durch die Hallen mit ihren Verbindungsröhren, die aussehen wie Hamstergänge und die riesige Glashalle, die die Menschen zum kochen bringt, wenn die Sonne drauf scheint. Die seit Jahren existierende Beschwörungsformel als sympathischere der beiden deutschen Buchmessen wird im nächsten Jahr in den Stand eines Sprichwortes erhoben und verpasst den Frankfurtern den Ruch der im kalten Licht von Großbanken ausgeleuchteten kapitalistischen Schwester. Die reinen Fakten sprechen auch in Leipzig von einem Großaufgebot und –angebot: an Verlagen, Zuhörer_innen und Autor_innen.

Wie aber sahs mittendrin aus? Leipzig liest ist eine die Stadt durchziehende Veranstaltung, in deren Rahmen Autor_innen noch in einer kleinen Apotheke ihre Bücher auspacken und daraus lesen. Das Beste daran ist, auch in der „kleinsten Hütte“ findet sich gute Stimmung und Publikum. In den Messehallen selber ist das Angebot an Lesungen  für Einzelne kaum mehr überschaubar. Und auch hier: die Menschen bleiben sitzen und hören zu, und sei es nur, um den an Messetagen besonders geschundenen Füßen etwas Ruhe und den Ohren etwas Nettes zu gönnen.  Die Beteiligung von Kindern fällt ins Auge. Auf dem Forum Kinder- und Jugendbildung erweisen sich die Kürzeren in der Menge bei der Lesung vom Geheimsprachenverlag mit seiner Schwester, dem Verlag Auf der Warft, als echte Geheimsprachen- und Mythologiekenner_innen. Verlagsleiter Dr. Siewert liest Sprichwörter in einer Münsteraner Geheimsprache und die Kinder sollen sie auf Hochdeutsch erraten. Die Aufklärungsquote liegt bei glatten 100 Prozent. Die Kölner Autorin Barbara Fischer Reitzer stellt ihren Roman „Liliths Weltenchronik“ vor und ist bass erstaunt über das Fachwissen zur griechischen und skandinavischen Mythologie. Zehnjährige jonglieren mit Wörtern wie Asgard oder Hades als handele es sich um ihre Frühstücks-Lieblingsknusperflocken (Leseprobe Liliths Weltenchronik: www.mythomania.net).

Die diesjährige Buchmesse zieht aber in besonders hohem Maße noch eine andere Art Besucher_innen an: die Fans der Manga- und Comic-Convention. Wer die Ohren voll hat, kann seine Augen schweifen lassen über barocke Hochsteckfrisuren, haarige Hobbitfüße, Elfen aller Couleur, mittelalterliche Recken, mit Degen am Kostüm und Manga-Figuren, geboren aus den vereinigten Comics dieser Welt. Sie flanieren durch die Hallen und Gänge und verwandeln die Messe in ein überdimensionales Kostümfest. Ihre wahre Aufgabe lässt sich erst nach einem zweiten Blick entschlüsseln: sie liefern der großen Fotografenschar satte Pfründe, aus denen die dann auch reichlich und mit viel Blitzlicht schöpfen.

Und am Ende des Tages? Tragen lesehungrige Menschen ihre Beute in Form von bedruckten und gebundenen Trophäen in Tüten, Taschen und Beuteln nach Hause. Übrig bleibt die Gewissheit, bei so viel Lust auf Literatur ist nicht aller Tage Ende.

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.