Affidamento - 30 Jahre Frauenseminare in Trier

Autorin: 

Barbara Fischer, Schriftstellerin

Edith Hellenbrands (Foto vorne) Lieblingsbegriff Affidamento steht als Motto über dem Jubiläumswochenende in Schloss Bollendorf. Die italienische Feministin Luisa Muraro arbeitet Affidamento (ital. Sich anvertrauen) in den 70er Jahren als philosophischen Begriff  der Frauenbewegung heraus, und fordert eine Politik der Beziehungen zwischen Frauen und keine Politik für Frauen. Laut Muraro, würde eine spezifische Frauenpolitik die weibliche Unterordnung unter das männlich geprägte Allgemeine nur bestätigen. Ihr Hauptargument für diese These: die Geschlechterdifferenz im abendländischen Diskurs wurde nie als gleichwertig angesehen.

Darauf aufbauend beschreibt Muraro die Praxis des Affidamento, dass die Frauen selber sich wechselseitig Autorität und Macht verleihen. Edith Hellenbrand sieht sich und alle Frauen in dieser Tradition auf starken Schultern von anderen Frauen stehen.

Überhaupt vermitteln schon die ersten Seminarstunden am Freitagabend ein starkes Bild davon, wie umfassend Frauenforschung sich entwickelt hat, und dass Frauenforschung einen pazifistischen Impetus quasi impliziert. Ein Aspekt, der für mich deshalb so wohltuend heraussticht, weil ich mit Jugendlichen aus Kriegsgebieten arbeite und täglich mit den Folgen der real existierenden patriarchalen Kriegsmaschinerie konfrontiert bin.

Für das Interview mit Edith Hellenbrand haben wir uns während einer Rast auf unserer Samstagswanderung in der Remise des Schlosses Weilerbach eine ruhige Ecke gesucht.

Das Motto des Wochenendes lautet: Affidamento, Frauen lernen von Frauen. Warum?

Weil ich immer wieder erfahre und erzählt kriege, dass Frauen unsolidarisch miteinander umgehen. Und ich will das Miteinander der Frauen in den Fokus rücken, Frauen können und sollen voneinander lernen. Frauensolidarität ist nicht selbstverständlich

Warum hast du vor 30 Jahren begonnen, Seminare für Frauen zu geben?

Ich habe selber erfahren, wie wichtig Themen  von Frauengeschichte bis Ökologie und Frieden sind. Das Wissen um solche Themen gibt uns Frauen Selbstbewusstsein und Stärke und macht uns kritikfähig. Gerda Lerner sagt dazu: Jede Frau ändert sich, wenn sie weiß, dass sie eine Geschichte hat. Emanzipation ohne Frauengeschichte ist nicht möglich, weil Frauen sonst Gefahr laufen, die patriarchalen Muster zu übernehmen

30 Jahre sind eine lange Zeit: Was war dein schönstes Erlebnis?

Das kann ich gar nicht sagen, weil es so viele schöne Dinge gab. Höhepunkte waren aber die Reiseseminare, wo wir uns vor Ort angeguckt haben, was uns zu Hause beschäftigte. Das waren schon Highlights. Zum Beispiel unsere Reisen nach Rügen, Kreta, Malta…. Die eigentliche Arbeit aber fand zu Hause statt.

Sehr schön waren auch die vier Frauenfeste auf Schloss Weilerbach,  in den Jahren 2000, 2001, 2003 und dann 2011 das letzte. Die Jahrtausendfeier im Jahr 2000 fand stand unter dem Motto:  4000 Jahre Frauen in Europa, 2000 Jahre v.u.Z. und 2000 Jahre danach. In solchen enormen Zeiträumen lässt sich Frauengeschichte erforschen.

Dein schrecklichstes Erlebnis in 30 Jahren?

Unsolidarische Frauen…, z.B. hat mir zu dem Jahrtausendfest auf Schloss Weilerbach eine Juristin geschrieben, dass solcherart Frauenveranstaltungen ja mittlerweile völlig überflüssig sind und wir das nicht mehr brauchen. Die hat einiges nicht verstanden.

Das hört man ja öfter, dass Frauen alles erreicht haben und wir kein explizites Frauenbewusstsein mehr brauchen.

Ja, leider, das hört man öfter, ein gigantischer Irrtum.

Warum, meinst du, denken Frauen so?

Weil sie sich, ohne es überhaupt zu wissen, dem Patriarchat angepasst haben und ihm damit weiterhin zum Erfolg verhelfen.

Du hast 30 Jahre die Seminare geleitet und viel Wissen vermittelt. Bist du stolz auf deine Arbeit?

Ich habe große Probleme mit dem Wort“ stolz“, aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreichen konnte.

Viele Frauen haben sich mit Themen beschäftigt, mit denen sie vorher nicht in Berührung und oft hat sich danach in ihrem Leben tatsächlich etwas verändert.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass wir vorankommen mit einer Kultur des Friedens. Was wir jetzt haben ist eine Kultur der Gewalt. Frauen können zum Frieden ganz viel beitragen.

Was wünschst du dir von der jungen Frauengeneration?

Dass sie die Themen nicht für erledigt halten, sondern sich damit weiterbeschäftigen.

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Über das Buch

Author Die Autorin unternimmt Streifzüge durch verschiedene Weltenmythologien und versammelt die Personen und ihre Geschichten um die Weltenesche Yggdrasil. Mythomania.net

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Barbara Fischer Reitzer.